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Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland

Die deutsche Bundesregierung hat 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) verabschiedet. Umgesetzt wird diese federführend vom Bundesumweltministerium (BMU). Seit Anfang 2011 wird die Umsetzung der NBS zudem durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Die NBS ist eine verpflichtende Strategie für mindestens vier Legislaturperioden und findet auch in anderen Ressorts Niederschlag.

Der Schutz der Biodiversität ist eine Querschnittsaufgabe und umfasst den öffentlichen bis privaten Sektor. Dies wird auch von der deutschen Bundesregierung anerkannt: Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) ist eine übergreifende Strategie, die das gesamte Regierungshandeln betreffen soll. So wurden zusätzlich sektorale Strategien entwickelt (z.B. eine Klimastrategie und eine Nationale Meeresstrategie), mit dem Ziel, die NBS für einzelne Themenschwerpunkte zu ergänzen und zu unterstützen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) hat 2007 als Ergänzung der NBS zusätzlich eine Agrobiodiversitätsstrategie veröffentlicht. Außerdem haben das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und auch das Bundesforschungsministerium (BMBF) Sektorkonzepte, die in diesem Kontext zu nennen sind. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist auch ein Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (NHS). Die NBS knüpft an die EU-Biodiversitätsstrategie und an das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) an.

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) – Ein Überblick

Unterschiedliche biodiversitätsrelevante Themenbereiche werden in der NBS in Form von „konkreten Visionen“  als Ziel für die Zukunft dargestellt. Oberstes Ziel ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt.  Schutz der biologischen Vielfalt bedeutet dabei der Schutz der Artenvielfalt, der Vielfalt der Lebensräume und der genetischen Vielfalt.

Die Nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt verfolgt das Ziel der Verbindung von Schutz und Nutzung. Wirtschaftliche Aktivitäten (etwa Landwirtschaft, Bodennutzung, Rohstoffabbau und Energiegewinnung) sollen einen zunehmenden Beitrag für die Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten.

Eine große Rolle spielen in der Strategie auch Umwelteinflüsse wie Luft-, Wasser- und Bodenqualität. Ein wichtiges Ziel der NBS ist es deswegen, Belastungswerte einzuhalten um so  empfindliche Arten und Ökosysteme zu schützen. Außerdem wird eine Reduktion der Emissionen bis 2020 angestrebt, um die Einflüsse der Klimaveränderungen zu begrenzen.

Internationale Konventionen, wie etwa zu genetischen Ressourcen  (CBD und ITPGRFA) sollen angewendet  werden.

Die NBS zielt auch auf die Verankerung  der Bedeutung der biologischen Vielfalt im gesellschaftlichen Bewusstsein.  Nur so können Aktivitäten zur Erhaltung der biologischen Vielfalt  die nötige Unterstützung aus der Gesellschaft heraus bekommen.

Anhand von Qualitäts- und Handlungszielen (in 16 sogenannten „Aktionsfeldern“) werden die Visionen auf das gesellschaftliche und politische Handeln heruntergebrochen. Die Handlungsziele umfassen jeweils konkrete, quantifizierbare Maßnahmen und wurden in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie ausgewählt. Die Aktionsfelder sind als dynamisch anzusehen und werden ständig weiterentwickelt. Als Beispiele wären etwa „Biotopverbund und Schutzgebietsnetze“,  „Siedlung und Verkehr“ oder „Biodiversität und Klimawandel“ zu nennen.

Die Umsetzung der NBS wird seit 2007 von verschiedenen Programmen unterstützt. Die Verwirklichung der Ziele und Maßnahmen ist eine Aufgabe aller staatlichen und nicht-staatlichen Akteure Deutschlands (BfN). Es werden u.a. jährlich Nationale und Regionale Foren  zur biologischen Vielfalt organisiert.

Seit Anfang 2011 unterstützt zudem das Bundesprogramm Biologische Vielfalt die Umsetzung der NBS mit einem Fördervolumen von 15 Millionen Euro jährlich. Die Förderschwerpunkte liegen dabei auf den folgenden Themen: 1. Den sogenannten „Verantwortungsarten“, also Arten, für die Deutschland besondere Verantwortung aufgrund ihres ausschließlichen oder überwiegenden Vorkommens im Bundesgebiet trägt, 2. Den deutschen „Hotspots der biologischen Vielfalt“ mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräumen, 3. Der Sicherung von Ökosystemdienstleistungen, etwa zur Bereitstellung von Wasser, Nahrungsmitteln oder fruchtbarem Boden, 4. Weitere Maßnahmen mit besonderer Bedeutung für die NBS, z.B. Projekten zur Wiedervernetzung von Landschaften oder zu Kommunikation und Bildung.

Ausblick


Positiv hervorzuheben ist an der NBS das Bewusstsein für die Bedeutung von Berichterstattung, Indikatoren und Monitoring. Es gibt Instrumente zur Erfolgskontrolle des Programms. Der Grad der Ausarbeitung und der Nachjustierung der Strategie anhand dieser Instrumente ist wesentlich für deren Erfolg. Die Bundesregierung legt in diesem Zusammenhang einmal pro Legislaturperiode einen Bericht vor. In dem diesjährigen Rechenschaftsbericht zur Umsetzung der NBS beurteilt das BMU die bisherige Umsetzung als nur zum Teil ausreichend:
„Aussagekräftiger für die Gesamtbilanz ist der Blick auf die aktuelle Fortschreibung des Indikatorensets der Strategie. Er zeigt ein gemischtes Bild. Für die meisten Indikatoren, bei denen der Zielerreichungsgrad angegeben werden kann, liegen die Werte noch weit oder sehr weit vom Zielbereich entfernt.“

Weiter heißt es, dass aber die Trendanalyse des Indikatorensets ein überwiegend positives Bild ergebe. Das bedeute, dass die richtige Richtung eingeschlagen sei, wenn es auch noch ein weiter Weg zur Erreichung der Ziele sei.

Bei einigen Tier- und Pflanzenarten (z.B. Fischotter, Kranich, Enzian- und Orchideenarten) gäbe es jedoch auch eine positive Entwicklung zu beobachten. Auch konnten weitere Schutzgebiete (u.a. im Kontext des NATURA 2000-Netzwerks) in Deutschland ausgewiesen werden. Die NBS und ihre Umsetzung bilden eine gute Ausgangslage für den deutschen Beitrag zur Erreichung der EU-Biodiversitätsziele (BMU).

To be cited as:
Diercks, S. (2013)  Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Available from: BIO-Diverse_Blog, http://blog.bio-diverse.de/?p=689